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FORMENLEHRE
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DIE SONATE

 

Im klassischen Sinne ist eine Sonate (lateinisch sonare: klingen) ein groß angelegtes Musikstück, das aus mehreren eigenständigen Teilen besteht, die Sätze genannt werden. Der Satz einer Sonate ist vergleichbar mit dem Kapitel eines Romans. Meistens handelt es sich um drei oder vier Sätze. Eine Sonate steht in einer übergeordneten Tonart, die von dem ersten und dem letzten Satz repräsentiert wird. Der oder die Mittelsätze können in anderen Tonarten stehen, haben aber meistens einen funktionalen Zusammenhang zur Haupttonart.

In unterschiedlichen Epochen hatte der Begriff Sonate eine jeweils andere Bedeutung. Im Zeitalter des Barock besteht eine Sonate oft aus einer Zusammenstellung von vier Sätzen mit der Tempofolge
langsam - schnell - langsam - schnell.
Diese Sätze sind alle im gleichen Geiste komponiert, es besteht ein innerer charakterlicher Zusammenhalt. Weitere formale Zusammenhänge sind nicht zwingend erforderlich.
Die häufigste Besetzung für Barocksonaten sind Duos (Soloinstrument mit Cembalo) oder Trios (zwei Soloinstrumente gleicher oder unterschiedlicher Gattung und Cembalo). Eine Sonderstellung nehmen die einsätzigen Cembalosonaten von Domenico Scarlatti (1685 - 1757) ein.

Durch viele experimentelle kompositorische Arbeiten Wilhelm Friedemann Bachs (1710 - 1784) und Carl Philipp Emmanuel Bachs (1714 - 1788, beides Söhne des großen Johann Sebastian Bach) erhält die Sonate ein anderes Gesicht. Eine besondere Form kristallisiert sich heraus. Die Entwicklung dieser Form hat eine große Wichtigkeit im Schaffen vieler bedeutenden Komponisten. Die wichtigste Entwicklungslinie hat ihren Ursprung bei den bereits erwähnten Bachsöhnen, setzt sich bei Joseph Haydn (1732 - 1809), Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) und Franz Liszt (1811 - 1886) fort und endet bei Gustav Mahler (1860 - 1911).
Die Besetzungspraxis hat sich ebenfalls grundlegend geändert: Klaviersonaten, Duos, Trios und Quartette sind ebenso gängig wie Konzerte für ein Soloinstrument mit Orchester (z.B. Klavierkonzert oder Violinkonzert). Auch eine Sinfonie (Symphonie) ist eine Sonate für Orchester.

Die Ausgangsidee der "neuen" Sonatenform ab der Klassik ist die Gegenüberstellung zweier Themen gegensätzlichen Charakters. Die Gegensätzlichkeit dieser Themen sorgt für den Konflikt, der den Stoff für den Inhalt einer Sonate bildet. Diese Gegenüberstellung findet im Sonatenhauptsatz statt, der meist der erste Satz ist. Die Mittelsätze sind oft ein langsamer Satz in Liedform (a-b-a) und ein Menuett mit Trio. Die Reihenfolge dieser Mittelsätze ist nicht festgelegt. Für den letzten Satz wird oft eine Rondoform gewählt. Auch Variationssätze kommen vor.

Doppelpfeil
Sonatenhauptsatz
langsamer Satz ( a-b-a )
Menuett - Trio - Menuett
Rondo Finale
oder ein weiterer Sonatenhauptsatz

Aus dem Menuett-Satz hat sich in der späten Klassik das Scherzo entwickelt.

Im Laufe der Zeit sind viele Formvarianten entwickelt worden. Zweisätzige Sonaten bei Beethoven sind ebenso möglich, wie sechssätzige Sinfonien bei Mahler. Liszt entwickelte die einsätzige Sonate, in der die Charakteristika des Sonatenhauptsatzes mit denen der weiteren Sätze verschmolzen werden.

Die kleine Schwester der Sonate ist die "Sonatine". Formal wie inhaltlich nicht so anspruchsvoll wie eine Sonate, sind ihre Ausmaße erheblich kleiner. Während eine Sonatine selten länger als zehn Minuten dauert, kann es eine ausgewachsene Beethovensonate auf 45 Minuten bringen (Hammerklaviersonate op. 106). Die achte Sinfonie von Gustav Mahler ("Sinfonie der Tausend") dauert sogar 80 Minuten. Dementsprechend kompliziert sind die formalen Zusammenhänge.

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