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FORMENLEHRE
Die Sonate
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Literaturbeispiel: 1. Satz aus der Klaviersonate op.2, Nr.1, f-moll
von Ludwig van Beethoven
(Exposition)

 

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Beethoven, Sonate op.2, Nr.1, 1. Satz Link 1 Beethoven, Sonate op.2, Nr.1, 1. Satz Link 2

Beethoven, Sonate op.2, Nr.1, 1. Satz Link 3

Der erste Satz der Klaviersonate op.2, Nr.1, f-moll von Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) ist, ganz dem Schema der klassischen Sonate verpflichtet, in der Sonatenhauptsatzform komponiert.

Exposition: T.1 - T.48,
Durchführung: T.49 - T.100
Reprise: T.101 - T.145
Coda: T.146 - T.152.

Interessant ist, wie Beethoven die Gegensätzlichkeiten zwischen dem ersten (T.1 - 8) und dem zweiten (Auftakt zu T.21 - T.28, 1. Viertel) Thema erreicht.

Motiv des 1. Themas (Auftakt zu T.1 - T.2):

op.2, Nr.1, 1.Satz Takte 1/2

 

Motiv des 2. Themas (Auftakt zu T.21 - T.22):

op.2, Nr.1, 1.Satz Takte 21/22

 

Ein Vergleich der beiden Themenmotive zeigt, dass es ebenso viele Gemeinsamkeiten (grün) wie Unterschiede (rot) gibt.

Beiden gemein sind der Auftakt, der jeweils am Beginn erklingende gebrochene Akkord (in der Analyse: Teilmotiv a), der punktierte Rhythmus (blau) am Ende (In der Analyse: Teilmotiv b) und die Tonwiederholungen in der Begleitung.

Die Unterschiede liegen in der Bewegungsrichtung der Akkordbrechung (in der Analyse: Teilmotiv a Umk.) und des punktierten Rhythmus' (in der Analyse: Teilmotiv b Umk.) (1. Thema aufwärts - abwärts, 2. Thema abwärts - aufwärts),
in der Artikulation der Akkordbrechung (1. Thema staccato, 2. Thema legato)
und in der Harmonisierung (1. Thema: Tonika der Grundtonart [Moll] vorherrschend, Konsonanz, 2. Thema: Dominante der Paralleltonart [Dur] vorherrschend, starke Dissonanz).

Die Themen bestehen letztlich aus den gleichen Elementen. Diese werden nur unterschiedlich verwendet. Durch die Gemeinsamkeiten werden die Unterschiede deutlicher, als wenn es gar keine Gemeinsamkeiten gäbe. Diesen Kunstgriff verwendet Beethoven sehr oft.

Die strukturellen Unterschiede haben ihre Auswirkungen auf die Aussage (sonst wären sie schließlich überflüssig): Während das erste Thema sehr entschlossen, fast trotzig wirkt und in eine pathetisch gestellte Frage mündet (T.7/8), hat das zweite Thema etwas von banger Unsicherheit. Die "Unsicherheit" des zweiten Themas wird dadurch hervorgehoben, dass die Tonika (As-dur) nur kurz angedeutet wird und das auch nur als Quartsextakkord.

Die Modulation von f-moll (Grundtonart, 1. Thema) nach As-dur (Tonikaparallele, 2. Thema) erstreckt sich vom Auftakt zu T.9 bis T.20 und enthält die im Kapitel über die Sonatenhauptsatzform erwähnte "Doppelpunktwirkung" (T.16 -20), die das zweite Thema vorbereitet.

op.2, Nr.1, 1.Satz, Takte 15-19

 

Die mehrfache Wiederholung der "freundlichen" Subdominant-Doppeldominant-Dominant-Harmonisierung (in der Grafik oben jeweils rot markiert) Hoffnung auf eine Antwort der vom ersten Thema gestellten Frage aufkommen. Diese Hoffnung wird vom "bangen" zweiten Thema nicht erfüllt.

Die Weiterführung des zweiten Themas (T.26ff) wirkt mit seinem eigenen Motiv (rot) "ratlos":

op.2, Nr.1, 1.Satz, Takte 26-29

 

Nach und nach steigert sich das Geschehen zu einem Seitengedanken, mit dessen Erklingen die Tonikaparallele zum ersten mal sicher erreicht scheint.

op.2, Nr.1, 1.Satz, Takte 33-36

 

Jubelnd verbindet dieser Seitengedanke scheinbar die gegensätzlichen Charaktere der beiden Themen, indem er Elemente des ersten Themas (aufwärts gerichtete Akkordbrechungen, rot) und des zweiten Themas (abwärts gerichtete Akkordbrechung, grün) beinhaltet.

Wie ein expressiv-freudiges Resümee folgt die Schlussgruppe. Sie beendet die Exposition.

op.2, Nr.1, 1.Satz, Takte 41-48

 

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