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HARMONIELEHRE II
Theorien der Harmonielehre
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Welche Theorie für die Analyse?

 

Da die Funktionstheorie mehr harmonische Zusammenhänge offenlegt und dadurch auch formale Fragen oftmals genauer klären hilft, wird diese wohl meistens für eine Analyse gewählt werden.

Allerdings gibt es auch Sachverhalte, bei denen die Funktionstheorie nicht geeignet ist.

 

Beispiel 1:

Die leitereigene Quintfallsequenz:

Leitereigende Quintfalsequenz

 

Da die VII. Stufe (hier der rot markierte Akkord) in der Funktionstheorie als einziger der in dieser Quintfallsequenz vorkommenden Akkorde als Dreiklang ohne Grundton aufgefasst wird (D7), entsteht bei der Analyse in der Funktionssymbolabfolge ein logischer Bruch (in der Grafik oben rot eingekreist), der so mit dem Ohr nicht nachvollzogen werden kann. (Als einziger Akkord hat dieser theoretisch den Terzton im Bass.)
Eher kommt dem Höreindruck die Stufenanalyse näher, die beim Akkord-Aufbau zwischen der VII. und den anderen Stufen keinen Unterschied macht.

Allerdings lässt diese Aneinanderreihung von Stufenziffern wie auch die der Funktionssymbole nicht sofort erkennen, dass es sich hier um eine Quintfallsequenz handelt.

 

Beispiel 2:

Die durch den Quintenzirkel gehende Quintfallsequenz:

Quintfall durch den Quintenzirkel

 

Hier versagen beide Theorien. Da im Verlaufe dieser Akkordfolge kein tonales Zentrum mehr wahrnehmbar ist, fehlt für die Analyse der entscheidende Bezugspunkt. Der Versuch in der Grafik zu Beispiel 2, die Dreiklänge als alterierte Stufen der C-dur-Tonleiter abzuleiten wirkt sehr an den Haaren herbeigezogen, ist aber "rechnerisch" möglich. Die Funktionstheorie muss vollständig kapitulieren, weil keine Tonika vorhanden ist und daher kein Akkord eine eindeutige Funktion hat.

In beiden erwähnten Fällen ist es wohl am sinnvollsten, alle Akkorde zwischen der Ausgangs- und der Zielfunktion einem "leitereigenen" oder "durch den Quintenzirkel gehenden" Quintfall zuzuordnen.

Zu Beispiel 1:

Analysemoeglichkeit bei leitereigenem Quintfall

Zu Beispiel 2

Analysemoeglichkeit beim Quintfall durch den Quintenzirkel

(Das "X " in diesem Beispiel steht für einen Akkord, dessen Funktion sich aus dem nachfolgenden Zusammenhang ergibt.)

 

Beispiel 3:

Der Dreiklang über dem fünften Tonleiterton im natürlichen Moll kann in der Funktionsteheorie nur als Moll-Dominante ( d ) bezeichnet werden. Da der Terzton dieses Akkordes aber kein Leitton ist, entgeht diesem auch die Funktion einer Dominante. Es ergibt also keinen Sinn einen solchen Akkord "Dominante" zu nennen.
Eine mögliche Lösung ist, auch im Zusammenhang einer funktionalen Analyse diesen Akkord als V. Stufe zu bezeichnen.

Analysemoeglichkeit fuer die 5. Stufe in natuerlichem Moll

 

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Die Akkordsymbole im Jazz und der Popmusik