LehrklaengeSchriftzug
Grundlagen   Intervalle   Akkorde   Tonleitern und Tonarten   Das abendländische Tonsystem   Harmonielehre I   Harmonielehre II   Formenlehre   Werkanalyse
Akustik   Instrumentenkunde   Gehörbildung   Musikgeschichte   Aufnahmeprüfung   kleines Lexikon
FORMENLEHRE
Die Sonate
Um eine Übersicht über die gesamte Webseite zu erhalten, gehen Sie bitte auf die Startseite.

 

Das Finale
(Fortsetzung II: Durchführung ab T.109 bis Schluss)

 

Durchführung
T.59 - T.138
Reprise
T.138 - T.196 (Schluss)
Durchführung I:
T.59 - T.109
1. Themenkomplex:
T.138 - T.160
=> Durchführung II:
T.109 - T.131
Überleitung:
T.152 - T. 160
Überleitung:
T. 131 - T.138
2. Themenkomplex:
T.161 - T.173
Seitengedanke:
T.174 - T.189
Schlussgruppe:
T.189 - T.196 (Schluss)

Ab T.109 wird der bisherige Teil der Durchführung (Durchführung I) in Bezug zum Themenmotiv der Exposition gesetzt. So führt dieser Abschnitt der Durchführung (Durchführung II) den Hörer nach und nach aus der friedlichen As-dur-Welt zurück in das ungestüme f-moll, das in der Reprise wieder erreicht wird.

Drei Viertaktgruppen beginnen den Weg zurück nach f-moll. Das As-dur des ersten Durchführungsteils kann nun wieder als tP (von f-moll) aufgefasst werden. Das erste Viertel der ersten zwei Takte, die das Motiv des Finales beinhalten, ist Zielpunkt jeder Viertaktgruppe, die zwei Takte mit dem Oktavsprung und dazugehörigen Doppelschlag zielen auf die jeweils nächste Viertaktgruppe. So geht der Weg von der tP und dem Dominant-Terzquart-Akkord (T.113) zur noch nicht gefestigten wieder erreichten Tonika f-moll (T.117).

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

Der vierte Takt der dritten Viertaktgruppe (T.120) ist gleichzeitig erster Takt eines achttaktigen Vorganges (T.120-T.127) , der durch das Ansteuern der Doppeldominante (T.126) die Festigung von f-moll als wiedergewonnene Tonika vorbereitet.

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

Dabei wird in T.120 -T.124 das Oktavmotiv und die Begleitung bei taktweise wechselnden Funktionen wiederholt, T.125 wirkt kurz innehaltend und bereitet die Verkürzung des Oktavmotivs von T.126 vor. Ziel ist die Dominante von f-moll, die ab T.127 das Geschehen bestimmt (in der Grafik unten grün markiert) und das Einsetzen der Tonika und der Reprise ab T.138 die Spannung nach und nach steigernd vorbereitet.

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

Wie es möglich ist, auch mit Reduzierung der Mittel anwachsende Spannung zu erzeugen, zeigt sich den Takten 127- 137:

In harmonischer Hinsicht:
Während in den Takten 127 - 130 bedingt durch das Themenmotiv auf dem vierten Viertel jedes Taktes der Doppel-Dv erklingt (oben: hellblau eingereist) und so f-moll als Tonika immer stärker etabliert wird, bleibt ab T.131 nur noch die Dominante übrig ("Stehenbleiben auf der Dominante").

In motivisch-struktureller Hinsicht:

1.) Verkürzungsprozess mit dem Themenmotiv: In den Takten 127 - 130 springt das Themenmotiv zwischen der rechten und linken Hand hin und her, ab T.131 verbleibt es sowohl zwischen Nonen- und Oktavton der Dominante pendelnd in der rechten (Sopran) als auch gleichzeitig parallel zwischen Septim- und Sextton wechselnd in der linken Hand (Tenor). Da das Motiv in Sopran und Tenor nun in beiden Stimmen gleichzeitig, also im gleichen Zeitraum häufiger erklingt, beginnt hier ein Prozess der Verkürzung (in der Grafik oben rot markiert), der sich in den Takten 134-137 fortsetzt: Hier wechselt das Themen nun unablässig zwischen Nonen- und Oktavton.
2.) Reduzierung der Triolenbewegung: Von T.131 bis zum Beginn der Reprise breitet der Alt einen Triolen-Klangteppich ausschließlich bestehend aus dem Quint- und Terzton der Dominante aus.
3.) Orgelpunkt im Bass: Ebenso ab T.131 liegt im Bass als Orgelpunkt der Grundton der Dominante "c" , der zunächst noch auf dem jeweils zweiten Viertel der Takte 132/133 rhythmische Akzente in Form von Synkopen-Sforzati setzt, dann ab T.134 ausgehalten wird. Von nun an verharren Sopran, Alt und Bass in ihren Zuständen, während im Tenor als einzige Aktion der taktweise melodieartige Wechsel von Septim-,.Quint-, Terz- und wieder zurück zum Septimton bleibt.

Auch die Dynamik reduziert sich bis zum "pp" in T.137.

Entspannung schafft mit ihrem in der Tonika f-moll einsetzenden Forte die Reprise (T.138). Sie geht von statten, wie es von einer Reprise zu erwarten ist:
Erstes (T.138) und zweites Thema (T.161) erklingen nun beide in der Tonika. Die hierzu notwendige Einrichtung in den Takten 147-152 verwendet das Material der Takte 10 ff der Weiterführung des Themas aus der Exposition.

Während in T.11/12 die Tonika (f-moll) und ihre Dominante (in der Grafik unten rot markiert) in die Moll-Subdominante von c-moll und deren Zwischendominante umgedeutet werden (in der Grafik unten grün markiert),

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

wird in der Einrichtung (T.147 - T.152) durch Erweiterung des viertaktigen Halbsatzes der Takte 10 - 13 auf sechs Takte erreicht, dass eingeschobene Wiederholungen des variierten Themenmotivs mit dessen Harmonisierung D - t für ein Verbleiben in f-moll sorgen. (Die eingeschobenen Wiederholungen sind in der Grafik unten violett markiert, das Verbleiben in f-moll kräftig rot.) Das Themenmotiv erklingt hier nun nicht nur zwei-, sondern viermal und wechselt dabei zwischen den Händen (Die Entsprechungen sind in den Grafiken oben und unten gelb, markiert). Erklingt es in der linken Hand, bereitet eine Variante der Achtelbewegung der Takte 11/12 in der rechten Hand den Moment des "Verbleibens in f-moll" vor (in beiden Grafiken hellblau markiert).

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

Der zweite Themenkomplex, der Seitengedanke und die Schlussgruppe bleiben nun in f-moll. Letztere steigert am Ende der Sonate noch den furiosen Charakter des Satzes, indem das Themenmotiv mit den dazu gehörigen Akkorden von der linken Hand übernommen wird und die begleitenden wilden Achteltriolen nun über allem im Sopran besonders "thematisiert" werden und mit einem in den Bass fallenden f-moll-Arpeggio die Sonate beenden.

op.2, Nr.1, 4.Satz, Takte

Grafische Zusammenfassung:

op.2, Nr.1, 4.Satz, Analysegrafik. Link

Zurück

Zusammenfassung zur Form der ganzen Sonate